Pressemittelung

Einführung von All-Gender und [Frauen Inter Nichtbinär Trans]* – Toiletten an der TUHH

Auf die Initiative des Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) und der Queer AG hin werden an der Technischen Universität Hamburg (TUHH) All-Gender und [Frauen Inter Nichtbinär Trans]* Toiletten zum 01.02.2020 an drei Standorten an der TUHH eingeführt.

In Zusammenarbeit mit dem Präsidium und dem Gebäude Management der TUHH, welche mit der Umsetzung betraut sind, setzen die beteiligten Akteur*innen ein deutliches Zeichen für Geschlechtergerechtigkeit und Vielfalt an der TUHH.

„Die Umwandlung von Toilettenanlagen in All Gender- und [Frauen Inter Nichtbinär Trans]* WCs zeigt,dass die TUHH eine weltoffene und tolerante Universität ist, die die Diversität ihrer Mitglieder schätzt und ernst nimmt. Im Umsetzungsprozess für diese wichtige Neuerung wurde deutlich, dass durch die konstruktive und lösungsorientierte Zusammenarbeit aller Statusgruppen schnell viel bewegt werden kann.“

Prof.Kerstin Kuchta, Vizepräsidentin für Lehre

Anpassung der Toilettensituation an die heutige Situation!

Auf dem Campus der TUHH gibt es eine Vielzahl von Toiletten für sich identifizierende Männer, Frauen und beHinderte Menschen, aber keine einzige Toilette für Menschen, die sich anderen Geschlechtern zuordnen oder sich ungern den gesellschaftlich gegeben Geschlechterrollen unterordnen möchten. An der TUHH, der Universität des Fortschritts, gab es ein Defizit, welches es zu beheben galt. Wie in allen gesellschaftlichen Kontexten gibt es auch an der TUHH Personen, welche sich den nicht binären Geschlechtern (Mann/ Frau) zuordnen.Durch die prospektive Methode der Einführung neuer Toilettenkategorien schafft die TUHH einen Ort, wo sich Menschen wohl und akzeptiert fühlen. Für den Großteil der Benutzer*innen der Toiletten ändert sich nicht viel, doch wird durch die Innovation einigen Menschen eine große Last im alltäglichen Leben abgenommen.

Die momentane Situation, wie in Deutschland öffentliche Toiletten gekennzeichnet sind, entspricht nicht den Bedürfnissen vieler Menschen dieser Gesellschaft und schafft weitreichend diskriminierende Räume, in denen sich Menschen unwohl und ausgeschlossen fühlen. Die binäre Toilettensituation ist geprägt von festen Geschlechterkonstrukten und diskriminiert Besucher*innen, welche sich nicht in den Konstrukten wiederfinden, strukturell.

Wichtige Entscheidungen für die Hochschullandschaft

“Es ist schön, wie einfach die Einführung der All-Gender- und [Frauen Inter Nichtbinär Trans]* -Toiletten durch eine gute Kooperation mit dem Gebäudemanagement, dem Präsidium und den Studierenden war. Ich hoffe, dass demnächst auch weitere Hamburger Hochschulen Erfolge in der Einführung von All-Gender-Toiletten feiern können.”

Theresia Hachmöller, Gleichstellungsreferentin AStA

Nach der Ausarbeitung eines Konzeptes durch den AStA und der Queer AG wurde am 27.11.2019 zu einem hochschulöffentlichen Gespräch geladen, welches von circa 20 Personen, größtenteils Studierenden, besucht wurde. Das konstruktive Gespräch hat zu einer weiteren Auseinandersetzung innerhalb der Arbeitsgruppe geführt. Nach Entschluss für das Konzept konnte auch vom Präsidium eine Umsetzungszusage eingeholt werden.

An drei Standorten werden insgesamt sechs Toilettenanlagen umbenannt. Die ehemaligen Männer-Toiletten werden zu All-Gender-Toiletten und die ehemaligen Frauen-Toiletten zu [Frauen Inter Nichtbinär Trans]*-Toiletten. Alle anderen Toiletteneinrichtungen bleiben von der Änderung unberührt.

Eine Toilette für Alle

Die All-Gender-Toiletten sind Toilettenräume für alle und jede*n, unabhängig von Geschlecht und Gender! Auf den All-Gender-Toiletten gibt es sowohl Sitz- als auch Stehklos.

Die binäre Aufteilung von Toilettenräumlichkeiten übt auf Menschen den Druck aus, sich einer dieser Bezeichnungen unterzuordnen. Um diese Art von Zwang und Diskriminierung zu vermeiden und nachhaltig zu überwinden, soll mithilfe des Prinzips von All-Gender-Toiletten ein Raum geschaffen werden, in dem keine Unterteilung in Geschlechtsidentitäten und -rollen stattfindet. Beispielsweise können trans-Menschen mit einem geringeren Stigma die Toilette besuchen. Zusätzlich wird studierenden Elternteilen der Besuch der Toiletten gemeinsam mit ihren Kindern erleichtert.

Die Toilette als Rückzugsort für Frauen*, Inter*- Trans*sexuelle und Nichtbinäre* Menschen

Neben der All-Gender-Toiletten gibt es [Frauen Inter Nichtbinär Trans]*-Toiletten welche für Frauen, intergeschlechtlich-, nichtbinäre- und sich als trans identifizierende Menschen gedacht sind.

Es gibt einen Unterschied zwischen „Geschlecht“(im englischen „sex“) und „Gender“. Gender bezeichnet das sozial gelebte und gefühlte Geschlecht und kann sich somit von dem bei der Geburt aufgrund körperlicher Merkmale zugeschriebenem Geschlecht unterscheiden.

Die Toiletten-Räumlichkeiten sollen sowohl einen Rückzugsort vor genereller und akut ausgeübter sexualisierter Gewalt bieten als auch der Sensibilisierung gegenüber der Thematik Gender und Geschlechtsidentität dienen. Zusätzlich wird für Sichtbarkeit von Menschen gesorgt, die von Diskriminierung hinsichtlich der gesellschaftlich etablierten Geschlechternormen betroffen sind. Damit wird langfristig gesehen auf mehr Akzeptanz hingearbeitet.

Die TUHH will wachsen und wird diverser

:“Das Gleichstellungsreferat begrüßt den Vorstoß des AStA und die Einführung von All-gender-Toiletten zusätzlich zu den geschlechtlich getrennten Toiletten. Dies ist ein Baustein für mehr gelebte Diversität auf dem Campus der TUHH.”

Nicolli Povijac, Gleichstellungsbeautragte TUHH

Die Technische Universität wird und will wachsen und das stellt die Hochschule vor einige Herausforderungen. Eine dieser ist die weitere Sicherstellung von Gleichstellung und Diversität. Die Überwindung von Rollenstereotypen und die Förderung von individuellen Lebensentwürfen ist eine wichtige Verpflichtung aus den forschungsorientierten Gleichstellungsstandards der deutschen Forschungsgesellschaft, welche die TUHH neben den anderen Zielen unterstützt und weiterhin fördert.

2 Kommentare

  • L

    Das erscheint sehr verworren.. Kann man nicht einfach ‘Toiletten’ drüber schreiben – und bei dem einen -‘inklusive Stehklo’? Ich bin mir fast sicher, damit wäre vieles klar, toilettentechnisch. Im zweifelsfall ein keckes ‘All Gender’ dazu? Dadurch wird kein Geschlecht hervorgehoben.

  • Anne

    Ihr seid Wissenschaftler, oder? Dann habt ihr sicher vor dieser Aktion die Fakten eingeholt und bewertet.

    Frage: wieviele Menschen an der TU möchten nicht auf eine Männer- oder Frauentoilette gehen?

    Falls ihr diese Zahl nicht kennt oder sie unter 1% liegt, habt ihr an einer wissenschaftlichen Institution eigentlich nichts verloren. 🙁